Ursprungsgebiete & genetische Herkunft – Warum die Herkunft zählt
Wildpflanzen sind nicht überall gleich – auch wenn sie denselben botanischen Namen tragen. Ein Salvia pratensis (Wiesen-Salbei) aus Norddeutschland unterscheidet sich genetisch deutlich von einem aus Bayern. Über Jahrtausende haben sich Wildpflanzen an die jeweiligen Klimabedingungen, Böden und ökologischen Wechselwirkungen mit Tieren und Mikroorganismen angepasst. Diese regionalen Unterschiede – man spricht von lokalen Herkünften – sind ein wichtiger Bestandteil der biologischen Vielfalt.
Karte der Ursprungsgebiete für krautige Pflanzen & Gräser
Im öffentlichen Raum – etwa bei Ausgleichsflächen oder Naturschutzmaßnahmen – ist die Verwendung gebietseigener Pflanzen inzwischen gesetzlich vorgeschrieben. Im Siedlungsraum (z. B. in Privatgärten, auf Balkonen oder Dächern) besteht diese Pflicht zwar nicht – dennoch ist es auch hier ökologisch sinnvoll, auf regionale Herkünfte zu achten.
Und falls eine regionale Herkunft nicht verfügbar ist? Dann gilt immer noch: Eine heimische Wildpflanze aus einem anderen Gebiet ist ökologisch vielfach wertvoller als eine exotische Zierpflanze. Denn sie bietet Nahrung und Lebensraum für unsere heimische Tierwelt – und trägt damit mehr zur Biodiversität bei als jede nicht-heimische Art.
Bei ReNature Wildpflanzen geben wir die Herkunft unserer Saatgut-Chargen transparent an. So schaffen wir Klarheit und ermöglichen eine verantwortungsvolle Auswahl – für echte Vielfalt und eine naturnahe Begrünung mit Zukunft.
Um diese Unterschiede zu bewahren, wurden in Deutschland 22 Ursprungsgebiete (für krautige Pflanzen und Gräser) sowie 6 Vorkommensgebiete (für Gehölze) definiert. Diese Einteilung dient seit Jahren als Grundlage für den Saatgutmarkt. Neuere Untersuchungen zeigen allerdings, dass es bei vielen Arten in Deutschland nur 4–8 genetische Hauptvarianten gibt. Die 22 Ursprungsgebiete sind daher eher eine pragmatische Verwaltungslösung – nicht immer eine fachlich belastbare Abbildung der natürlichen Verbreitungsmuster.
Ein weiteres Problem ist der sogenannte Artenfilter, der vorgibt, welche Arten in welchem Ursprungsgebiet überhaupt verwendet werden dürfen. Dieses Instrument ist jedoch rechtlich nicht verbindlich und wird von Fachleuten seit Langem kritisch gesehen, da es den ökologischen Nutzen vieler artenreicher Mischungen einschränkt. Statt die Artenvielfalt zu fördern, führt er in der Praxis oft dazu, dass weniger Arten ausgesät werden – und wertvolle Lebensräume ungenutzt bleiben.
Trotz dieser Schwächen gilt: Der Einsatz gebietseigener Pflanzen ist ein wichtiger Schritt, um stabile, widerstandsfähige Bestände zu fördern, die optimal an die lokalen Bedingungen angepasst sind. Gleichzeitig lässt sich damit eine ungewollte genetische Durchmischung (Florenverfälschung) vermeiden.
Karte der Vorkommensgebiete für Gehölze